top of page

Die meisten wissen, was gesund wäre. Die grössere Hürde ist oft etwas anderes: es im Alltag auch wirklich umzusetzen. Nicht am Sonntag mit viel Zeit, sondern am Dienstagabend, wenn man hungrig und müde nach Hause kommt und so gar keine Lust auf ein kompliziertes Rezept hat.

Genau hier wird Kochkompetenz relevant


Damit meine ich nicht nur, ob jemand an Weihnachten ein aufwendiges Gericht kochen kann. Sondern ob es jemand schafft, auch unter der Woche, aus normalen Lebensmitteln, eine einfache, alltagstaugliche Mahlzeit zu kochen. Dazu gehört auch: planen, einkaufen, kombinieren, vereinfachen, improvisieren und unter Zeitdruck trotzdem etwas zustande bringen. In meiner damaligen Bachelorarbeit zeigte sich genau das: Kochkompetenz ist nicht einfach «kochen können» als isolierte Fähigkeit, sondern ein Life Skill im Alltag.

Doch ist das überhaupt ein Thema in der Ernährungsberatung? Ist das überhaupt relevant? Ich würde sagen: ja. Das zeigen meiner Meinung nach auch die Daten aus menuCH, der nationalen Ernährungserhebung in der Schweiz die bei Erwachsenen von 2014 bis 2015 lief.

In einer normalen Woche gaben in menuCH 35 Prozent der Erwachsenen an, nie ein warmes Mittagessen selbst zu kochen. Beim Abendessen waren es 19 Prozent. Bei Männern war das noch ausgeprägter: 45 Prozent kochten nie selbst ein warmes Mittagessen, bei Frauen 25 Prozent. Beim Abendessen lagen die Werte bei 27 Prozent der Männer und 10 Prozent der Frauen. Gleichzeitig wurde am Wochenende häufiger gekocht als unter der Woche: an 73 Prozent der Wochenendtage gegenüber 63 Prozent der Werktage. Das spricht stark dafür, dass nicht einfach fehlendes Interesse das Problem ist, sondern vor allem der Alltag unter der Woche.

Auch die Kochzeit ist spannend. Im Schnitt wurden in menuCH 38 Minuten für die Zubereitung einer warmen Mahlzeit angegeben. Bei Frauen waren es 43 Minuten, bei Männern 32 Minuten. Und mehr als 40 Minuten Kochzeit berichteten 50,3 Prozent der Frauen, aber nur 30,7 Prozent der Männer. Das zeigt: «Selber kochen können» ist auch eine Frage der Zeit.

Warum ist das so wichtig?

Weil viele Ernährungstipps stillschweigend voraussetzen, dass Kochen kein Problem ist. «Iss mehr Gemüse.» «Koch öfter frisch.» «Mach einfach Meal Prep.» Klingt simpel. Ist es aber nicht.

Die Forschung zeigt seit Jahren ziemlich konsistent: Menschen mit besseren Kochkompetenzen essen tendenziell ausgewogener. In einer Schweizer Studie von Hartmann, Dohle und Siegrist waren Kochkompetenzen positiv mit dem Gemüseverzehr und negativ mit dem Konsum von Convenience Food verbunden, und zwar auch dann, wenn man das allgemeine Gesundheitsbewusstsein statistisch mitberücksichtigt.


Besonders interessant: Freude am Kochen ist ein starker Prädiktor für Kochkompetenz, vor allem bei Männern. Das ist deshalb relevant, weil Freude am Kochen vermutlich mitentscheidet, ob jemand überhaupt regelmässig kocht, Routine aufbaut und im Alltag auf diese Fähigkeit zurückgreifen kann. Gleichzeitig ist auch der umgekehrte Zusammenhang plausibel: Wer besser kochen kann, erlebt Kochen oft auch als weniger stressig und dadurch als angenehmer.

Wichtig ist dabei aber auch: Selber kochen ist nicht automatisch gesund. Ein Review zu Home Cooking kommt zwar insgesamt zum Schluss, dass häufigeres Kochen zu Hause eher mit besserer Ernährungsqualität und teils auch mit günstigeren Gesundheitsoutcomes verbunden ist. Gleichzeitig betonen die Autorinnen und Autoren, dass die Evidenz methodisch uneinheitlich ist und man nicht zu simple Schlussfolgerungen ziehen sollte. Anders gesagt: Kochen zu Hause ist eher ein Vorteil, aber keine Garantie.

Genau deshalb ist nicht nur wichtig, ob jemand kocht, sondern auch wie und womit. Neuere Forschung zeigt, dass bessere Kochkompetenzen mit höherer Wahrscheinlichkeit für einen ausreichenden Gemüse- und Früchtekonsum zusammenhängen. Gleichzeitig fallen die Ergebnisse oft ungünstiger aus, wenn häufiger mit stärker verarbeiteten Produkten gekocht wird. Das heisst: Gute Kochkompetenz hilft, aber es ersetzt nicht das Bewusstsein für eine ausgewogene Ernährung.

Das ist besonders relevant, wenn man an Gewichtsregulation denkt. Kochkompetenz ist kein magischer Einzelfaktor fürs Abnehmen. Aber sie kann Gewichtsregulation erleichtern, weil sie ausgewogenes Essen im Alltag realistischer macht. Wer unter Zeitdruck einfache, sättigende und halbwegs ausgewogene Mahlzeiten hinbekommt, ist weniger abhängig von spontanen Standardlösungen wie Take-away, Snacks oder stark verarbeiteten Fertigprodukten.

Dass diese Produkte ein Problem sein können, ist gut belegt. Auch die Schweizer Ernährungsempfehlungen weisen darauf hin, dass ein hoher Konsum ultra-verarbeiteter Lebensmittel mit einem erhöhten Risiko für Übergewicht und Adipositas verbunden ist.


Genau hier wird Kochkompetenz spannend. Nicht, weil jetzt alle täglich komplett «from scratch» kochen müssten. Sondern weil Kochkompetenz die Entscheidungsfreiheit erhöht. Wer einfache Mahlzeiten aus normalen Zutaten hinbekommt, hat mehr Optionen. Wer das nicht kann oder sich das nicht zutraut, landet schneller bei den immer gleichen, stark vereinfachten Lösungen. Und die sind ernährungsphysiologisch oft nicht die schlausten.

Für mich ist das auch der Punkt, warum Kochkompetenz in der Ernährungsberatung nicht als Nebenthema behandelt werden sollte. Wenn jemand weiss, was gesund wäre, es aber im echten Leben nicht auf den Teller bringt, dann reicht noch mehr Ernährungswissen oft nicht. Dann muss man genauer hinschauen: Was genau ist die Hürde? Zeit? Planung? Unsicherheit? Zu komplizierte Rezepte? Fehlende Ideen? Zu hohe Ansprüche an sich selbst?


Gesünder essen scheitert oft nicht am Wissen, sondern am Kochen.


Wer die eigene Ernährung langfristig umstellen will, sollte sich deshalb nicht nur fragen: Was wäre gesund? Sondern auch: Was kann ich unter meinen echten Alltagsbedingungen überhaupt regelmässig kochen?

Genau hier setzt die FRESH Methode an.


Mit einem entlastenden Kochsystem, das dir hilft, im Alltag einfacher zu gesunden Mahlzeiten zu kommen. Damit gesund essen nicht etwas ist, das nur an motivierten Tagen klappt, sondern auch dann, wenn das Leben eigene Pläne hat.

Wenn du abnehmen möchtest, ohne ständig gegen dich selbst zu kämpfen, dann müssen wir nicht nur über Ernährung sprechen, sondern auch darüber, wie Kochen in deinem Alltag endlich einfacher werden kann.

Aljoscha

Wissens-Nugget

Warum gesund essen oft nicht am Wissen, sondern am Kochen scheitert

Warum Kochkompetenzen kein Nebenthema sind, sondern von Ernährungsberater:innen gezielt gefördert werden sollten.

6. April 2026
bottom of page